Handys, Elektrorasierer oder Druckerpatronen online bestellen - das ist bereits Alltag. Die Sachen kommen bequem per Post ins Haus, der Schritt vor die Tür erübrigt sich.
Die Deutsche Post und der Berliner Entsorgungskonzern Alba experimentieren nun erstmals damit, bei der Lieferkette den Rückwärtsgang einzulegen: Endverbraucher schicken Elektroschrott zur Recyclinganlage. Eine Kooperation der beiden Branchenriesen steht nach FTD-Informationen kurz vor dem Start. Private Konsumenten sollen ausgedientes Elektrokleinzeug einfach in einen Umschlag stecken und an Alba senden dürfen. Vorher müssen sie nur ein Etikett für den kostenlosen Versand herunterladen und auf den Umschlag pappen. Auch sehr bequem.
Mag sein, dass die Aktion eher auf das Umweltimage der Konzernmarken als auf das Betriebsergebnis einzahlt. Dennoch könnte sie Zukunft haben. Das Problem mit dem E-Schrott wächst täglich, wie jeder weiß, der seine Schubladen einmal nach historischen Handys, Navis oder Taschenradios durchforstet hat. Bis 2020 werden sich Prognosen zufolge europaweit 12,3 Millionen Tonnen Elektroschrott anhäufen. Das wären 50 Prozent mehr als heute.
Doch der traditionelle Einzelhandel wehrt sich gegen eine geplante Pflicht zur Rücknahme von E-Schrott, die eine vom EU-Parlament erst in der vergangenen Woche beschlossene Richtlinie vorsieht. Man solle \"Elektrogeschäfte nicht zu Schrotthändlern machen\", polterte die Einzelhandelslobby HDE. Der Zorn der stationären Händler ist nachvollziehbar: Während vor ihrer Ladentür die Lkws mit der im Internet bestellten Neuware vorbeirauschen, soll der Müll bei ihnen abgeladen werden.
Hilft aber nichts. Das Problem muss gelöst werden. Zum einen, um endlich die untragbare Beseitigung des Zivilisationsmülls unter extrem gesundheits- und umweltschädlichen Umständen irgendwo in Afrika zu beenden. Zum anderen wegen der schönen Rohstoffe. In einer Million Handys stecken 24 Kilogramm Gold, 250 Kilogramm Silber und etliche Tonnen Kupfer, rechnen Experten vor. Das sind beträchtliche Schätze - vor allem, wenn man bedenkt, dass laut Alba in deutschen Schubladen 83 Millionen alte Handys verstauben.
Doch die Rohstoffpreise sind offenbar immer noch nicht hoch genug, um den Aufwand einer regulären Rückwärtslogistik vom Konsumenten bis zum Schredder zu decken. Sonst gäbe es sie längst. Auch Alba und die Post begrenzen ihr Experiment vorerst auf ein Jahr. Monatlich rechnen sie mit 10.000 eingeschickten Geräten. Auch das nur ein Anfang - aber immerhin einer mit Potential.



























